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Jeder Hundehalter kommt irgendwann an diesen Punkt: Die Pubertät beim Hund beginnt und plötzlich scheint nichts mehr zu funktionieren. Dein einst folgsamer Welpe, der voller Begeisterung Kommandos befolgte und dich mit treuen Augen ansah, verwandelt sich in einen sturen, scheinbar schwerhörigen Vierbeiner, der seine eigenen Regeln aufstellt. Die Pubertätsphase kann für viele Hundehalter eine echte Geduldsprobe sein – aber sie bietet auch eine einmalige Gelegenheit, die Bindung zwischen dir und deinem Hund zu vertiefen.
Diese Lebensphase deines Hundes ist vergleichbar mit der Teenager-Zeit bei Menschen: Emotionale Schwankungen, Unsicherheiten, das Austesten von Grenzen und ein erhöhter Drang nach Unabhängigkeit bestimmen den Alltag. Doch keine Sorge: Die Pubertät bei Hunden ist keine Katastrophe, sondern eine Phase der Entwicklung, in der du viel über deinen Hund lernen kannst.
Anstatt sich über das plötzliche Ignorieren von Befehlen oder über die „rebellische“ Art zu ärgern, solltest du diese Zeit als Chance betrachten. Jetzt kannst du deinem Hund zeigen, dass du ein verlässlicher, souveräner Partner bist, der ihn durch diese turbulente Zeit begleitet. Wer in der Pubertät konsequent und liebevoll mit seinem Hund arbeitet, wird langfristig mit einer stabilen und tiefen Bindung belohnt.
In diesem Artikel erfährst du, was während der Pubertät im Körper deines Hundes passiert, welche typischen Verhaltensänderungen auftreten und wie du am besten mit dieser Phase umgehst. Mit Geduld, Verständnis und den richtigen Trainingstechniken meisterst du die Herausforderungen – und machst aus deinem pubertierenden Junghund einen ausgeglichenen, zuverlässigen Begleiter fürs Leben. 😊

Wann beginnt die Pubertät beim Hund?
Die Pubertät bei Hunden beginnt nicht bei jedem Vierbeiner zur gleichen Zeit – es gibt individuelle Unterschiede, die von Faktoren wie Rasse, Größe und genetischer Veranlagung abhängen. Allgemein kann man sagen, dass sich der Beginn der Pubertät zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat bewegt.
Kleine Hunderassen wie Terrier oder Chihuahuas kommen meist früher in diese Entwicklungsphase und zeigen bereits ab dem 5. oder 6. Monat erste Anzeichen pubertären Verhaltens. Mittelgroße Hunde folgen in der Regel etwas später, während große bis sehr große Rassen oft erst zwischen dem 8. und 12. Monat in die Pubertät eintreten. Bei besonders großen Hunden wie Doggen oder Bernhardinern kann sich die Pubertät sogar bis zum 16. oder 18. Monat verzögern.
Doch nicht nur der Startzeitpunkt ist variabel – auch die Dauer der Pubertät bei Hunden unterscheidet sich stark. Während kleine Hunde diese Phase häufig bereits nach ein bis eineinhalb Jahren hinter sich lassen, kann sie sich bei größeren Rassen bis zum zweiten oder sogar dritten Lebensjahr hinziehen. In extremen Fällen, besonders bei Spätentwicklern unter den Riesenrassen, können pubertäre Verhaltensweisen noch bis zum vierten Lebensjahr auftreten.
Aber keine Panik – die Pubertät verläuft in Wellen! Dein Hund wird also nicht konstant rebellisch sein, sondern Phasen der Ruhe und Anpassung durchlaufen. Wichtig ist, dass du konsequent bleibst und deinem Hund während dieser Zeit verlässliche Strukturen gibst.
Typische Anzeichen für die Pubertät bei Hunden
Wenn die Pubertät beim Hund beginnt, kann es sich an ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen bemerkbar machen. Einige Hunde wirken plötzlich unsicher, während andere auf einmal mutiger oder herausfordernder auftreten. Hier sind die häufigsten Anzeichen, an denen du erkennen kannst, dass dein Hund mitten in der Flegelzeit steckt:
1. Plötzliches Ignorieren von Kommandos
Kommandos, die dein Hund früher zuverlässig ausgeführt hat, scheinen plötzlich nicht mehr bei ihm anzukommen. Du rufst ihn, aber er zeigt keinerlei Reaktion – als hätte er seinen Namen noch nie gehört. Keine Sorge, dein Hund ist nicht taub! Sein Gehirn verarbeitet in dieser Zeit viele neue Eindrücke, und durch die hormonellen Veränderungen kann es vorkommen, dass er altbekannte Signale nicht mehr direkt abrufen kann.
Wie du deinen Hund ohne Kommandos, sondern mit einfachen Grenzen erziehen kannst, erfährst du in diesem Artikel:
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2. Erhöhte Emotionalität und Stimmungsschwankungen
Ähnlich wie menschliche Teenager durchleben Hunde während der Pubertät emotionale Hochs und Tiefs. Dein Vierbeiner kann innerhalb von Minuten von euphorischer Spielfreude in tiefste Unsicherheit verfallen oder sich plötzlich über Dinge erschrecken, die er sonst immer ignoriert hat.
3. Erweiterung des Erkundungsradius
Vor der Pubertät haben Hunde oft eine enge Bindung zu ihrem Halter und bleiben beim Spaziergang von sich aus in der Nähe. Doch sobald die Pubertät beim Hund einsetzt, entdeckt dein Vierbeiner seine Umwelt mit neuen Augen – und plötzlich sind duftende Wiesen, andere Hunde oder spannende Spuren wichtiger als dein Rückruf. Dein Hund entfernt sich weiter von dir als früher und testet aus, wie unabhängig er wirklich sein kann.
4. Neue oder verstärkte Unsicherheiten
Plötzlich reagiert dein Hund ängstlich auf Gegenstände oder Situationen, die ihn zuvor nie gestört haben – eine Mülltonne am Straßenrand kann urplötzlich zum gruseligen Monster werden. Diese sogenannten „Spukphasen“ sind ein normaler Teil der Entwicklung und gehen meist von allein wieder vorbei. Wichtig ist, dass du deinem Hund Sicherheit vermittelst und ihn behutsam an die vermeintlich gefährlichen Dinge heranführst.
5. Grenzen werden ausgetestet
Die Pubertät ist die perfekte Zeit für Hunde, um zu prüfen, ob die Regeln wirklich noch gelten. Plötzlich setzt er sich nicht mehr auf Kommando oder schleicht sich aufs Sofa, obwohl das bisher nie erlaubt war. Jetzt ist es entscheidend, dass du ruhig und konsequent bleibst – denn wenn dein Hund merkt, dass Regeln verhandelbar sind, wird er dies immer wieder ausnutzen.
6. Erhöhte Reizbarkeit und Übersprungshandlungen
Viele Hunde reagieren während der Pubertät auf Reize viel intensiver als zuvor. Sie können auf Spaziergängen schneller auf Artgenossen anspringen, sich leichter aufregen oder sich von kleineren Frustrationen viel stärker beeinflussen lassen. Manchmal kommt es auch zu Übersprungshandlungen – das bedeutet, dass dein Hund scheinbar ohne Grund anfängt, wild herumzurennen oder sich an dir hochzuziehen.
Fazit: Wenn du feststellst, dass sich dein Hund plötzlich „anders“ verhält, sei unbesorgt – das ist völlig normal. Wichtig ist, dass du gelassen bleibst, klare Regeln beibehältst und deinem Hund durch die Pubertät bei Hunden mit Geduld, Verständnis und einer Prise Humor begegnest.
Physische Anzeichen für die Pubertät beim Hund
Neben den offensichtlichen Verhaltensänderungen gibt es auch körperliche Veränderungen, die anzeigen, dass die Pubertät bei Hunden begonnen hat. Diese unterscheiden sich je nach Geschlecht und betreffen sowohl das äußere Erscheinungsbild als auch hormonelle Prozesse.
1. Physische Veränderungen bei Rüden
Beginn des Beinhebens beim Urinieren: Viele Rüden fangen während der Pubertät an, ihr Bein zu heben, um ihr Territorium zu markieren. Dies geschieht oft unregelmäßig und kann eine Mischung aus hockendem Urinieren und Beinheben sein.
Zunahme der Muskelmasse: Durch den Anstieg des Testosteronspiegels beginnen Rüden, eine kräftigere Statur zu entwickeln. Dies zeigt sich vor allem an einer breiteren Brust und kräftigeren Schultern.
Verstärktes Markierverhalten: Während dieser Zeit werden Gerüche besonders interessant, und viele Rüden verspüren einen starken Drang, ihr Revier durch häufiges Urinieren an verschiedenen Stellen zu markieren.
Vermehrte Unruhe und Rastlosigkeit: Hormonelle Schwankungen können dazu führen, dass dein Rüde unruhiger ist, häufiger aufgeregt wirkt und schwerer zur
2. Physische Veränderungen bei Hündinnen
Erste Läufigkeit: Der deutlichste Hinweis auf die Pubertät bei einer Hündin ist die erste Läufigkeit, die je nach Rasse zwischen dem 6. und 12. Monat auftritt. Während dieser Zeit schwillt die Vulva an und es kommt zu einer leichten bis stärkeren Blutung.
Veränderte Körperform: Ähnlich wie bei den Rüden verändert sich auch die Statur der Hündin. Sie entwickelt eine weiblichere, ausgewogenere Körperform mit stärker ausgeprägter Muskulatur.
Geruchliche Anziehungskraft auf Rüden: Läufige Hündinnen sondern spezielle Duftstoffe ab, die Rüden stark anziehen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass dein Hund in dieser Phase von aufdringlichen Verehrern umgeben ist.
Veränderte Stimmungslage: Während und nach der Läufigkeit kann die Hündin hormonell bedingt reizbarer, schmusiger oder anhänglicher sein. Manche Hündinnen zeigen auch eine verstärkte Unabhängigkeit.
Was passiert im Gehirn deines Hundes während der Pubertät?
Die wichtigste Erkenntnis: Dein Hund will dich nicht ärgern – er kann oft nicht anders. Während die Pubertät bei Hunden äußerlich vor allem durch körperliche Reifeprozesse sichtbar wird, finden im Gehirn deines Vierbeiners tiefgreifende Veränderungen statt. Diese haben nicht nur Auswirkungen auf sein Verhalten, sondern auch darauf, wie er die Welt wahrnimmt und auf Reize reagiert.
Das Gehirn deines Hundes wächst während der Pubertät nicht gleichmäßig, sondern entwickelt sich in bestimmten Bereichen schneller als in anderen. Besonders betroffen sind zwei zentrale Hirnregionen:
1. Das limbische System – das Emotionszentrum des Gehirns
Das limbische System, insbesondere der Mandelkern (Amygdala), ist für emotionale Reaktionen verantwortlich. Während der Pubertät entwickelt sich dieser Bereich besonders rasant. Das bedeutet, dass dein Hund emotional viel intensiver auf Reize reagiert als zuvor. Er kann schneller aufgebracht sein, Ängste entwickeln oder plötzliche Übersprungshandlungen zeigen. Dinge, die er vorher ignoriert hat, erscheinen ihm plötzlich bedrohlich oder aufregend.
Der präfrontale Kortex – das Kontrollzentrum für Impulse
Während das Emotionszentrum quasi auf Hochtouren läuft, hat der präfrontale Kortex – der für Selbstkontrolle, Entscheidungsfindung und die Einschätzung von Situationen zuständig ist – erst einmal Pause. Er entwickelt sich langsamer und bleibt hinter der starken Aktivität des limbischen Systems zurück. Das bedeutet, dass dein Hund in der Pubertät oft impulsiv handelt, seine Impulskontrolle schwächer ist und er sich weniger gut an Regeln erinnern kann.
Diese ungleiche Entwicklung sorgt dafür, dass dein Hund manchmal überreagiert, sich plötzlich unsicher fühlt oder scheinbar „vergessen“ hat, was er bereits gelernt hat. Das ist kein böser Wille, sondern schlichtweg eine Folge der neuronalen Umstrukturierungen in seinem Gehirn. Ich nenne das gerne „WLAN-Verlust“ – dein Hund hat noch alle Daten gespeichert, aber gerade eine schlechte Verbindung zur „Trainings-Cloud“. 😜
Der richtige Umgang mit einem pubertierenden Hund
Die Pubertät bei Hunden kann für Halter eine anstrengende Zeit sein, aber mit der richtigen Herangehensweise kannst du deinem Vierbeiner helfen, sicher und souverän durch diese Phase zu kommen. Hier sind einige bewährte Strategien:
1. Ruhe bewahren und konsequent bleiben
In der Pubertät testet dein Hund Grenzen aus – das ist völlig normal. Doch jetzt ist es umso wichtiger, dass du klare Regeln aufstellst und konsequent bleibst. Dein Hund wird versuchen herauszufinden, ob Regeln wirklich noch gelten oder ob er sie durch hartnäckiges Verhalten umgehen kann. Bleibe ruhig, setze klare Grenzen und halte dich an deine Prinzipien. Inkonsequenz kann dazu führen, dass dein Hund lernt, dass Regeln verhandelbar sind – und das willst du vermeiden!
2. Das Training anpassen, aber nicht aufgeben
Manche Halter sind frustriert, weil ihr Hund während der Pubertät Kommandos scheinbar „vergisst“. Aber das bedeutet nicht, dass dein Training umsonst war! Stattdessen solltest du dein Training an die veränderten Bedürfnisse deines Hundes anpassen:
Kürzere Trainingseinheiten: Dein Hund hat eine geringere Konzentrationsfähigkeit – reduziere die Übungseinheiten auf wenige Minuten, aber wiederhole sie öfter am Tag.
Sichere den Rückruf ab: In dieser Phase ist der Rückruf oft ein Problem. Nutze eine Schleppleine, um zu verhindern, dass dein Hund sich selbst belohnt, indem er wegrennt.
Setze auf positive Verstärkung: Lobe und belohne deinen Hund, wenn er sich an Regeln hält – so bleibt er motiviert.
3. Auslastung: Die richtige Balance finden
In der Pubertät bei Hunden ist es wichtig, die richtige Balance zwischen körperlicher und geistiger Beschäftigung zu finden. Zu viel körperliche Action kann deinen Hund aufdrehen, zu wenig führt zu Langeweile und Frust. Hier sind einige Ideen:
Ruhige Beschäftigungen wie Nasenarbeit oder Tricktraining helfen, deinen Hund mental auszulasten, ohne ihn zusätzlich aufzuregen.
Kleine Suchspiele zu Hause oder auf Spaziergängen können helfen, den Fokus deines Hundes auf dich zu lenken.
Entspannungsübungen wie Deckentraining oder ruhige Spaziergänge stärken die Impulskontrolle und fördern Gelassenheit.
4. Geduld haben – Die Pubertät bei Hunden geht vorbei!
Es mag sich manchmal so anfühlen, als ob dein Hund für immer in der rebellischen Phase bleibt – aber keine Sorge, das ist nicht der Fall! Die Pubertät bei Hunden ist eine vorübergehende Phase, und je konsequenter du jetzt bleibst, desto einfacher wird es später. Halte durch, behalte eine positive Einstellung und denke daran: Mit der richtigen Führung wirst du am Ende einen erwachsenen, zuverlässigen Hund an deiner Seite haben! 😊
Bleib dran – es lohnt sich!
Auch wenn die Pubertät beim Hund herausfordernd ist – sie geht vorbei! Dein Hund braucht jetzt einen Halter, der souverän bleibt, liebevoll Grenzen setzt und ihn sicher durch diese stürmische Phase führt. Bleib geduldig, bleib konsequent – und vor allem: Bleib entspannt! 😊
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Disclaimer:
Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die in diesem Artikel verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.